Autor und Psychologe Gerald Mackenthun (Berlin)
Autor und Psychologe Gerald Mackenthun (Berlin)

Kritik der Gendersprache

März 2021

Schlagworte: Genus, Sexus, Gender, Sprache, Moral, Politik, Kulturkampf

 

Das grammatische Geschlecht „der, die das“, das Genus, hat mit dem biologischen Geschlecht, dem Sexus (Mann, Frau), fast nichts zu tun. Die Einteilung der deutschen Substantive in drei Klassen – Maskulinum, Feminimum und Neutrum – bezieht sich nur auf die Wörter und selten auf das, was sie inhaltlich bezeichnen. In den Relativierungen „fast“ und „selten“ liegt das Problem verborgen, das die deutsche Sprache – und nur sie – mit Genus und Sexus hat. Genus und Sexus haben im Prinzip nichts miteinander zu tun.

 

Im 17. Jahrhundert übersetzten deutsche Grammatiker Genus mit (grammatisches) Geschlecht und nannten den Artikel Geschlechtswort. Genera wurden nun männlich, weiblich und sächlich genannt. Johann Christoph Adelung, der wichtigste Grammatiker des 18. Jahrhunderts, nannte die Neutra (Mehrzahl von Neutrum) „Wörter ungewissen Geschlechts“ und „geschlechtslos“, eine Formulierung, die ganz nah beim Sexus liegt. Das öffnete der Verwechslung des grammatischen Genus mit dem biologischen Sexus Tür und Tor. Das Durcheinander entsteht dadurch, dass man beides im Deutschen mit „Geschlecht“ bezeichnet. Der Genus hat drei Geschlechter, des Sexus zwei biologische. Es gibt Sprachen ohne generisches Maskulinum. Wenn es stimmt, dass das Maskulinum die Emanzipation der Frauen hemmt, müsste die Gleichberechtigung in angelsächsischen Staaten und in der Türkei (die türkische Sprache kennt kein Maskulinum) weiter fortgeschritten sein als in Deutschland. Das ist nicht der Fall.

 

Das Genus bedeutet als grammatischer Terminus stets „Art, Sorte“. Personengruppen sind geschlechtsneutral. „Die Bürger“ umfassen Menschen sämtlicher Geschlechter und aller Altersstufen. Das Genus stimmt mit dem biologischen Geschlecht (Sexus) als Merkmal von Lebewesen eher selten überein. Viele Sprachen haben maskulin (m.) und feminin (f.) unter ihren Genera (Mehrzahl von Genus), manche davon, unter ihnen das Deutsche, zusätzlich das Neutrum (lat. ne-utrum = keines von beiden). Das heißt nicht, dass die mit maskulinen und femininen Genera bezeichneten Wörter männliche bzw. weibliche Wesenheiten oder Personen bezeichnen und das neutrale Genus nur Kinder oder unbelebte Sachen. Es gibt Hauptwörter mit dem Artikel „der“, die Frauen mitmeinen, und es gibt welche mit „die“, die Männer mitmeinen. „Der Bäcker“, „der Bürgermeister“, „der Schriftsteller“ aben nichts mit dem biologischen Geschlecht zu tun. Sie bezeichnen Mitglieder einer Funktionsgruppe.

 

Für Wörter, die etwas bezeichnen, das kein biologisches Geschlecht hat (wie Dinge oder Abstrakta), sind die deutschen Genera geschlechtsspezifisch gänzlich bedeutungslos. Auch die Unterscheidung von männlich/weiblich einerseits und neutral andererseits in belebt und unbelebt trifft nicht: siehe das Kind, das Schwein oder den maskulinen Löffel, die feminine Gabel oder das neutrale Messer. Es gibt im Deutschen maskuline Wörter, die nicht nur männliche, sondern auch weibliche Person bezeichnen, zum Beispiel der Gast, der Säugling, der Flüchtling. Es gibt feminine Wörter, die sich auch auf männliche Personen beziehen können, zum Beispiel die Lehrkraft, die Geißel, die Majestät, die Waise. Ebenso gibt es Neutra, die männliche oder weibliche Person bezeichnen, zum Beispiel das Mitglied, das Staatsoberhaupt, das Mädchen, das Kind, das Gegenüber. Die Wörter „Kunde“, „Kontoinhaber“ und „Sparer“ bezeichnen sowohl männliche als auch weibliche Personen.

 

Wie wenig Genus und Sexus miteinander zu tun haben – auch im Deutschen – zeigen weitere Beispiele: der Mann, die Person, das Mannsbild; der Blaustrumpf, die Frau, das Weib; der Engel (Engel haben in der Mythologie meist kein Geschlecht), die Gestalt, das Genie. Ferner der Bär, die Katze, das Reh; der Adler, die Fliege, das Pferd; trotz eindeutigem Sexus: das Männchen, das Weibchen (weil Diminutiva). Frohnatur, Landplage und Knallcharge sind feminin, Putzteufel, Plagegeist und Wonneproppen sind maskulin, Adlerauge, Klatschmaul und Hinkebein sind Neutra, und sie bezeichnen Personen aller denkbaren Geschlechter gleichermaßen. Es handelt sich um Konventionen, die keinen eigentlichen Sinn oder Zweck haben, sie sind weitgehend willkürlich. Ausländer, die Deutsch lernen, stöhnen darüber. Die drei Genera im Deutschen kann man lernen, aber sie stellen eine unnötige Komplikation der Sprache dar, weil ohne Zugewinn an Präzision. Die englischsprechenden Länder beispielsweise haben es mit ihrem „the“ in dieser Hinsicht einfacher. Dafür haben sie andere grammatikalische Schrullen, die für Außenstehende schwer zu verstehen sind. Da die englische Sprache kaum unterschiedliche Endungen für die Geschlechter kennt, sind die meisten Bezeichnungen genderneutral, so zum Beispiel „teacher“ für Lehrer und Lehrerin. Will man bei einem bestimmten Thema deutlich machen, dass es sich um einen Mann oder eine Frau handelt, muss man „male“ oder „female“ davorsetzen.

 

Die Gegner des generischen Maskulinums verkennen dessen asexuelle Natur. Genus ist eine rein grammatikalische Kategorie, Sexus eine biologische. Die Wurst hat nichts Weibliches, der Käse nichts Männliches an sich.[1] Ebenso der Mund, die Nase, das Kinn. Über einen Sexus verfügen diese Worte nicht – einer Mündin  oder einer Kinnin werden wir hoffentlich in der deutschen Sprache niemals begegnen. Es gibt eine gewisse Übereinstimmung von Genus und biologischem Geschlecht, jedoch nicht durchgängig: der Mann, der Bruder, die Frau, die Tante, das Kind, das Mädchen. Aber: der Lügner, die Geisel, die Wache, die Hilfskraft, das Mitglied, das Opfer – alles geschlechtsneutrale Personenbezeichnungen, die Männer und Frauen gleichermaßen meinen.

 

Es gibt sehr viele Belege für diese Ansicht: Alle Teilnehmer der Konferenz hörten aufmerksam zu. Österreich zählt über 8 Millionen Einwohner. Die beiden letzten Tänzer auf der Bühne waren Sabine und Peter. Frauen sind meist die besseren Zuhörer. Teilnehmer, Einwohner, Tänzer, Zuhörer – alle Ausdrücke stehen im Femininum und bezeichnen Männer und Frauen gleichermaßen. Meistens fällt uns das gar nicht auf. Und den letzten Satz hätte man mit einer Paarform gar nicht bilden können: Frauen sind die besseren Zuhörerinnen und Zuhörer. Oder, wie ich es kürzlich las: „Nur ein Drittel aller Polizistinnen und Polizisten sind weiblich“. Nur ein Drittel der Polizistinnen sind weiblich? Eine bedenkliche Aussage.

 

Es gibt ein paar Sonderfälle. Mit „generischem Maskulinum“ (bzw. maskulinem Genus) bezeichnet man den Sachverhalt, dass maskuline Personenbezeichnungen auf -er (wie Förster, Pfarrer) nicht in erster Line sexusmarkiert sind. Sie bezeichnen Personengruppen und -einheiten unabhängig von deren Sexus. Schwierig wird es bei Rollenbezeichnungen: So sind „die Studenten“ gleichzeitig die allgemeine Bezeichnung für beide Geschlechter, aber auch die spezielle Form für männliche Studenten. Das Maskulinum ist in solchen Fällen sexusneutral. Die Studentinnen bezeichnen hingegen eindeutig nur weibliche Personen. Bei „Studenten“ sind Weiblein und Männlein inkludiert, bei „Studentinnen“ sind nur „Menschen mit Vagina“ gemeint. Das Femininum markiert. Es wird durch die Silbe -in und ein paar Nebenformen wie -esse (Politesse), -isse (Diakonisse) oder -euse (Diseuse) extra bezeichnet. Diese Endungen bezeichnen den weiblichen Sexus als etwas Zusätzliches, Besonderes.

 

Wenn es nach den Sprachpflegern der Stadtverwaltungen in Hannover und Lübeck geht, ist eine Institution wie die Kirche nicht mehr als „Arbeitgeber“, sondern als „Arbeitgeberin“ zu bezeichnen und eine Stadt nicht mehr „Herausgeber“, sondern als „Herausgeberin“ eines Leitfadens für sogenannte gendersensible Sprache. Wörtlich heißt es darin: „Institutionen, die einen weiblichen Artikel haben, sollten grammatikalisch korrekt behandelt werden.“ „Die Institution“ hat ein weibliches Generum. Also in Zukunft „die Institutionin“? Aber das den weiblichen Sexus anzeigende Suffix „-in“ lässt sich nur auf belebte Nomen anwenden, also nicht „die Wäscheklammerin“ oder „die Bratpfannin“. Institutionen sind keine belebten Entitäten.

 

Der teilweise vehemente Einsatz für eine veränderte Sprachnorm speist sich vor allem aus dem Trugschluss, in der deutschen Sprache habe sich mit dem Genus eine sprachliche Ungleichheit eingeschlichen, die gleichbedeutend sei mit sozialer Ungleichheit. Soziale Ungleichheit soll durch sprachliche Differenzierung eliminieren zu wollen. Sind diese experimentellen Sonderformen geeignet, das uralte Unrecht an den Frauen sicht- und hörbar zu machen? Bekennen sich die Frauen in diesen Sonderzeichen wieder? Was ist mit den neu entdeckten 36 weiteren Geschlechtern, von denen wir bisher nicht viel wissen? Wird die gesellschaftliche Stellung der Frauen durch einen umständlichen Sprech- und Schreibakt verbessern?

 

Noch ist nicht auszumachen, ob sich die Verdoppelung in der Gruppenbeschreibung („Bürgerinnen und Bürger“, Ministerpräsidenten und Ministerpräsidentinnen“), das große Binnen-I, das Gendersternchen, der Doppelpunkt oder der Unterstrich durchsetzen wird. Alle Formen sind gewöhnungsbedürftig. Nur ihre konsequente Anwendung hat Sinn. Bei der Wiederholung einer solchen Formel zum dritten oder fünften Mal stellt sich aber bei Rezipienten ein Gefühl von Redundanz und Ungeduld ein.

 

Die Argumentationslinie der Befürworter einer Genderisierung der Sprache verläuft folgendermaßen: 1. Die Frauen werden in der Gesellschaft nach wie vor massiv benachteiligt. 2. Im Genus verschwinden die Frauen und sind nicht mitgemeint. 3. Um diese Benachteiligung aufzuheben, müssen Frauen in der Sprache „sichtbar“ gemacht und jeweils explizit benannt werden. 4. Nur so wird die Unterdrückung der Frau sichtbar. 5. Die gendergerechte Sprache ist in der Lage, die Hintansetzung von Frauen zu beenden.

 

Schon die erste Prämisse ist falsch. Es gibt meines Erachtens in unserer Gesellschaft keine strukturelle Benachteiligung von Frauen mehr. Mit der Hinfälligkeit der ersten Thesen gelten auch alle weiteren Thesen nicht mehr. Die zweite These ist falsch, weil das generische Maskulinum eine Gruppe von Menschen beiderlei Geschlechts bezeichnet, nicht nur Männer in einer Gruppe. Und das generische Femininum „die Gruppe“ bezeichnet ebenso nicht nur Frauen, sondern Menschen aller Geschlechter. Wer Genus mit Sexus verwechselt, fügt der Sprache Schaden zu. Einen empirischen Beleg für die dritte These gibt es noch nicht; auch die vierte und fünfte These sind fragwürdig und kaum beweisbar. Das generische Maskulinum – also das sich auf alle natürlichen Geschlechter beziehende Maskulinum – ist im Sprachgebrauch üblich, wird gesellschaftlich akzeptiert und stellt keine Geringschätzung gegenüber den Frauen dar. Nicht zuletzt das Grundgesetz selber verwendet das generische Maskulinum.

 

Es ist kulturwissenschaftlich legitim, das Zusammenwirken von genetischen, neuronalen und soziokulturellen Prozessen, sowie Geschlechterstereotypen und deren sprachliche Gestalt zu untersuchen. Anders der Vorgang des Strebens nach politischer Korrektheit. Dabei geht es im Wesentlichen um Sprachliches: Gleichheit und Gerechtigkeit sollen dadurch erreicht werden, dass an Wortschatz und Grammatik herumreformiert wird, indem Gebote und Verbote ausgesprochen werden. Das Gender Mainstreaming hat den Charakter einer säkularen Religion angenommen. Die Sprache soll eine moralische Anstalt werden. Die Verbissenheit, mit der um eine angeblich gerechte Sprache gekämpft wird, deutet auf einen Kulturkampf hin. Es geht um Macht und den Anspruch auf Meinungsführerschaft. Es wird mit Kanonen auf Spatzen geschossen: Wer nicht mitmacht oder gar dagegen ist, dem wird schnell Antifeminismus, Rassismus, Kolonialismus und Faschismus unterstellt. Mit der Eliminierung  des Wortes „Neger“ aus dem Sprachgebrauch wurde die Stellung der schwarzen in den USA nicht verbessert. Verbesserung brachten konkrete Prozesse, Proteste und Gesetzesänderungen. Im Zuge dieser sozialen Kämpfe bildeten sich auch neue Wörterbezeichnungen.

 

Woher kommt der aktuelle, moralisch durchtränkte Sprach-Reformeifer? „Ich glaube, der Grund, weshalb die Genderei so wenig Widerstand erfährt, ist das schlechte Gewissen der Männer. Frauen wurden jahrhundertelang benachteiligt, daran gibt es keinen Zweifel. Deshalb laufen feministische Splittergruppen, und wenn sie noch so abwegige Forderungen erheben, überall durch offene Türen. Keiner wagt, etwas zu sagen, aus Angst, als Ewiggestriger und Frauenfeind dazustehen.“ Das sagte Walter Krämer am 8. März 2019 in einem Interview mit der NZZ. Der Dortmunder Statistikprofessor Krämer ist Initiator einer Petition mit dem Titel „Schluss mit dem Gender-Unfug!“

 

Was wie ein Schildbürgerstreich aussieht, ist den Verfechtern der Gender-Sprache bitterer Ernst. Ausgerechnet jene Kreise, die sonst nicht genug von Toleranz, Diversität und Inklusion sprechen können, versuchen auf diese Weise den politischen Gegner kleinzukriegen. Es geht nicht um eine wissenschaftliche Auseinandersetzung. Es soll nicht nur das Schreiben vorgegeben werden, sondern auch das Denken. Es geht mehr als um einen lästigen Sprachformalismus. Das hat auch den Staat und seine Organe erfasst. Doch diese sind zur weltanschaulichen Neutralität verpflichtet. Keine Institution sollte vorschreiben dürfen, in welcher grammatikalischen Form man sich äußert. Es ist nicht ersichtlich, inwiefern solche Vorgaben für das Funktionieren von Parlamenten und Behörden von Bedeutung sein sollen.

 

Ich gehöre in meinem Land zu einer Minderheit, die behauptet, dass sich in den vergangenen Jahrzehnten die Stellung der Frauen überall auf der Welt verbessert hat, auch und vor allem in Deutschland. Sie sind nicht beständig männlichen Gewalttaten bis hin zum Mord ausgesetzt, sondern sie erfahren viel Liebe und Zuwendung. Ihre Hausarbeit und ihre Rolle bei der Erziehung der Kinder werden zwar nicht direkt bezahlt (von wem auch?), aber in einer ehelichen Gemeinschaft sollte es selbstverständlich sein, dass die Einkommen gerecht verteilt werden. Die angeblich unterschiedliche Bezahlung von Mann und Frau im Berufsleben wird von interessierter Seite gerne hochgespielt, beträgt aber bei korrekter Berechnung nur einige wenige Prozent. Alle Tarifverträge sorgen für gleiche Bezahlung. Der Anspruch auf Gleichberechtigung ist in allen modernen Staaten weitgehend verwirklicht. Ich sehe deshalb keine Veranlassung, die sogenannte gendergerechte Sprache anzuwenden, ganz abgesehen davon, dass sie mein literarisches Stilempfinden beleidigt.

 

Ich glaube nicht an die segensbringende Wirkung von Gendersprache, Quotenregelungen und Gleichstellungsbüros. Ich halte es nicht für günstig, die Frauen gesellschaftlich einseitig zu begünstigen. Bei gleicher Qualifikation werden Frauen bevorzugt eingestellt? Warum eigentlich? Dann doch lieber würfeln. Brauchen Frauen diese positive Diskriminierung überhaupt? Hält Frauenförderung die Frauen nicht in Unmündigkeit? Passen Frauenquoten zum Geist des Rechtsstaats und der Gleichheit? Ist nicht der Grundsatz, dass vor dem Gesetz alle gleich sind, eine Errungenschaft aufgeklärter Gesellschaften? Würden Frauen etwas merken, wenn alle Gleichstellungsbüros auf einmal geschlossen würden?

 

Wie würde unsere Gesellschaft aussehen, wenn a) alle Gleichstellungsbeauftragten abgeschafft werden, b) die Posten der Gleichstellungsbeauftragten paritätisch besetzt werden („bei gleiche Qualifikation wird der männliche Bewerber bevorzugt“) oder c) den 2000 Frauenbeauftragten ein System von 2000 Männerbeauftragten an die Seite gestellt wird? Wird eine „Diskriminierung“ (also Unterscheidung) durch Gleichstellungbüros nicht erst recht befördert? Wie viele Frauen fühlen sich durch das Wort „Fußgängerüberweg“ „ausgetilgt“ und „nicht gesehen“? Handelt es sich eventuell um ein Spezialproblemchen leicht erregbarer Feministen, befeuert durch ein unkritisches Feuilleton? Und was die Gendersprache angeht: Kann bewiesen werden, dass Frauen durch Wörter wie „Fußgängerstreifen“ wirklich „systematisch diskriminiert“ werden? Was wäre durch die verbindliche Nutzung des Wortes „Zebrastreifen“ gewonnen? (Claudia Wirz, „Wer fragt, gewinnt: Auswege aus endlosen Gender-Diskussionen, NZZ, 13. August 2020).

 

Die Sprachwissenschaftlerin Ewa Trutkowski wagt die Prognose: „Zu glauben, durch eine veränderte Sprachnorm politische Versäumnisse heilen und soziale Realitäten umstülpen zu können, ist eine Illusion. ... Ob (dynamischer) Unterstrich, Genderstern, Binnen-I, Doppelpunkt, Beidnennung oder generisches Femininum – nichts davon wird sich in der Sprachgemeinschaft durchsetzen, denn nicht die Schaffung, sondern die Vermeidung unnötiger Komplexität ist eine der Haupttriebfedern für Sprachwandel.“ („Vom Gendern zu politischen Rändern“, Neue Zürcher Zeitung, 22. Juli 2020). Am übelsten stößt Trutkowski die moralische Aufladung auf. Es sei deprimierend zu beobachten, wie eigentlich wissenschaftliche Debatten durch moralisierende und politisieren Unterstellungen geistig auf Zwergenniveau schrumpfen. „Wer gendert, ist lieb und links. Wer es nicht tut – und auch nicht tun will –, böse und rechts.“ Das passt zu der allgemeinen Tendenz, Wissen durch Haltung und Erkenntnis durch Betroffenheit zu ersetzen.

 

„Der Versuch, die Lage der Frauen durch die Einführung einer absurden Nachsilbe zu verbessern, die den Sprachen- und Schönheitssinn beleidigt, wird sich am Ende wohl doch als eine vom Akademiker-Sessel und vom Talkshow-Stuhl geführte Revolte erweisen.“ (Peter Schneider: „Mehr Geschlecht als Recht“, Tagesspiegel Berlin, 30. März 2021, S. 23)

 

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[1] Dr. Tomas Kubelik: Wie Gendern unsere Sprache verhunzt. Youtube https://www.youtube.com/watch?v=Ri-kVYDTEAk (angeklickt 17. März 2019).

Priv.-Doz. Dr. Gerald Mackenthun

Dipl.-Politologe

Dipl.-Psychologe

Dr.phil.

Privat-Dozent für Klinische Psychologie

 

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