Autor und Psychologe Gerald Mackenthun (Berlin)
Autor und Psychologe Gerald Mackenthun (Berlin)

Psychologen gegen Klimaerwärmung

Denn sie wissen nicht, was sie tun sollen

Hier schreibe ich über meine neuesten Eindrücke und Erlebnisse.

 

Ich freue mich auf Eure Kommentare im Gästebuch. Gerne könnt Ihr auch direkt Kontakt zu mir aufnehmen.

 

Oktober 2019

Gerald Mackenthun (Berlin)

Abstract: Der Text setzt sich kritisch mit „Psychologists/Psychotherapists for Future“ auseinander. Die Klimaerwärmung wird nicht bestritten, doch ich bezweifele, dass Klimaskepsis oder mangelnde Handlungsbereitschaft einseitig als pathologische Verdrängung gedeutet werden dürfen. Verdrängung ist ein allgemeiner psychischer Mechanismus und kann angesichts scheinbar unlösbarer Probleme auch stabilisierend wirken. Zugleich warne ich vor einer Politisierung der Psychotherapie und vor missionarischen „Handlungsanweisungen“ an Patienten. Klimaaktivisten arbeiten mit Widersprüchen, unklaren Forderungen und unrealistischen Vorstellungen von Klimaneutralität. Dennoch halte ich Emissionsminderung aus praktischen und ethischen Gründen für sinnvoll.

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Am 29. Juni 2019 wandte sich eine Gruppe von Ausbildungskandidaten der Psychotherapie an offenbar alle Ausbildungsinstitute in Deutschland mit der Bitte, ihre Initiative „Psychotherapists/Psychologists for Future zu unterstützen. Ihr Vorbild ist die Bewegung „Fridays for Future“. Die Initiative will diese Bewegung unterstützen, unter anderem durch eine „Verwandlung von Angst in aktive Veränderungsprozesse“. Die Initiatoren betreiben eine eigene Website (https://www.psy4f.org/) und sind international vernetzt. In der August-Ausgabe des Deutschen Ärzteblattes/Ausgabe für Psychologische Psychotherapeuten (Ausgabe PP, S. 354) veröffentlichte ich einen kurzen Kommentar mit einigen Bedenken gegen die Initiative.

Die Klimaerwärmung wird von den meisten als Faktum erkannt, begann ich. Der Streit dreht sich eher um die Ursachen – Kohlendioxid-Anstieg, vermehrte Methan-Emissionen, Sonnenflecken-Aktivitäten? – und um die geeigneten Gegenmaßnahmen. Alle Aktionen und Maßnahmen, die der Klimaerwärmung entgegenwirken können, sind grundsätzlich zu begrüßen und zu unterstützen. Dennoch sehe ich die Initiative der Ausbildungskandidaten aus fachlichen Gründen kritisch.

Ein erster Einwand richtet sich gegen die Annahme der Initiatoren, nur die Leugner einer Klimaveränderung würden jene bekannten psychischen Verhaltensweisen an den Tag legen, die Abwehr und Verdrängung genannt werden. Doch Verleugnung und Verdrängung und alle anderen Abwehrmechanismen treten ubiquitär auf. Man findet sie mehr oder weniger bei allen Menschen. Es ist leicht nachzuweisen, dass auch Klima-Aktivisten nicht das gesamte Spektrum der Wirklichkeit im Auge haben. Ginge es wirklich darum, die Klimaerwärmung zu begrenzen, so müssten die fast emissionsfreien Kernkraftwerke länger laufen und neue gebaut werden, es müsste die Kohlendioxid-Verpressung in den Untergrund forciert und die Grüne Gentechnik freigegeben werden, letztere, um schneller als mit herkömmlichen Methoden hitze- und trockenresistente Pflanzen zu züchten. Die angebliche Verdrängung und Verleugnung ließe sich auch damit erklären, dass in Deutschland und Europa die Auswirkungen einer Klimaerwärmung bislang kaum spürbar sind. Der Klimawandel wird in verschiedenen Teilen der Erde unterschiedliche Effekte haben. In Deutschland wird man eher wenig davon bemerken.

Ein zweiter Einwand betrifft die Konsequenzen der Initiative. Gerade Psychologen, so heißt es dort, könnten dabei helfen, kollektive Abwehr aufzudecken und zu überwinden. „Menschen zu Verhaltensänderungen in Richtung eines zunehmenden Umwelt- und Klimabewusstseins zu bewegen, ist ein psychologisches Problem.“ Wenn damit gemeint ist, dass Psychotherapeuten das Thema Klimaerwärmung aktiv in die Therapien einbringen, so muss dies abgelehnt werden. Die Themen einer Therapie haben sich primär nach den Wünschen und Bedürfnissen der Patienten zu richten. Selbsteffizienz und Handlungskontrolle sind gewiss wichtige Teilziele einer Therapie. Sie dürfen aber nicht unter dem Primat der aktuellen Klimadebatte stehen.

Aus Platzmangel konnte folgender Zusatz im PP-Heft vom August nicht abgedruckt werden: 1970 veröffentlichte der Sozialpsychologe, Philosoph und frühere Adler-Schüler Manès Sperber ein Buch mit dem Titel Alfred Adler oder Das Elend der Psychologie. Gemeint ist das „Regime des Verdachts“, das in Freuds ebenso wie in Adlers Kreis weit verbreitet war, um Abweichler von der reinen Lehre zu brandmarken. Das strahlte aus bis in die therapeutische Situation, in der der Therapeut mit seinen Deutungen scheinbar immer recht und der Analysand unrecht hat, wenn er Widerstand entwickelt. Wenn es immer der Andere ist, der verleugnet und verdrängt, man selbst sich aber frei davon dünkt, wächst „das furchtbare Spiel mit den psychiatrischen Diagnosen“ (Sperber). Wir sollten uns davor hüten, mit dem Verdikt der Verdrängung dieses stigmatisierende Spiel erneut zu spielen.

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In der folgenden September-Ausgabe des Ärzteblattes (Ausgabe PP, S. 396ff.) wurde die Sprecherin der Bewegung „Psychologists/Psychotherapists for Future“, Katharina van Bronswijk, interviewt. Ihren Angaben zufolge haben sich international rund 3000 Unterstützer aus 22 Ländern der psychologischen Bewegung angeschlossen. Sie betont, dass der Klimawandel ein komplexes und abstraktes Problem sei, welches nicht unbedingt direkte Auswirkungen auf den Einzelnen habe. Deshalb seien Verhaltensveränderungen so schwer zu erreichen. Das menschliche Gehirn sei kaum in der Lage, derart komplexe und weit in die Zukunft reichende Probleme zu verarbeiten. Das Thema rufe unangenehme Gefühle hervor: Wut, Angst, Trauer, Hilflosigkeit und Ohnmacht. Derartige Gefühle würden oftmals abgewehrt bzw. verdrängt. Das stehe dem gesellschaftlichen wie individuellen Handeln in Bezug auf Klimaschutz im Weg. Überhaupt sei es allein schon technisch schwer, individuelle klimarelevante Konsequenzen zu ziehen.

Von der Interviewerin angesprochen auf den Einwand, dass Patienten in einer psychotherapeutischen Sitzung nicht vonseiten des Therapeuten mit dem Thema Klimawandel konfrontiert werden dürften, bekräftigte sie das Abstinenzgebot in dem Sinne, dass der Therapeut seine eigenen Weltanschauungen oder Meinungen aus der Therapie heraushalten müsse. Wenn aber der Patient Angst vor dem Klimawandel äußere, müsse der Therapeut professionell handeln. Als Berufsgruppe aber sei es den Therapeuten durchaus freigestellt, sich zu engagieren.

In der gleichen Ärzteblatt/PP-Ausgabe wurde mein Kommentar weitgehend ablehnend kommentiert. Zu den Argumenten gehörte: Therapeuten wie beispielsweise Horst-Eberhard Richter oder Ruth Cohn hätten sich in der Vergangenheit immer wieder zu gesellschaftlichen und Umweltproblemen geäußert. Abwehrmechanismen sollten von Psychotherapeuten öffentlich problematisiert werden, vor allem dann, wenn es sich um ein kollektives Phänomen handele. Ziel der Aktivisten sei nicht, das Thema Klimaerwärmung aktiv in die Therapie einzubringen. Die Bewegung wolle vielmehr Druck auf Entscheidungsträger ausüben. Jene, die die Gefahr wahrnehmen, sollten nicht abgewertet werden. „Immer mehr meiner Patienten“, schreibt ein Psychotherapeut, würden von sich aus die Themen Klimaerwärmung, Umweltzerstörung und Plastikverschmutzung ansprechen. Ein anderer Kommentator unterstellte mir Ignoranz und Zynismus.

„Verleugnung der Apokalypse“

Auch ein Beitrag im Psychotherapeuten-Journal (18. Jg., 13. September 2019, S. 253ff.) greift die Frage nach dem Umgang mit der Klimakrise auf, unter der Überschrift „Die Verleugnung der Apokalypse“. Autor Fabian Chmielewski nimmt dabei die Perspektive der Existenziellen Psychotherapie ein. Auch er unterstellt eine kollektive Verdrängung als gegeben und spricht von einer „existenziellen Neurose“. Warum interessiert sich ein großer Teil der Bevölkerung nicht angemessen für die drohende Zerstörung der Welt? Immerhin gehe es um Leben und Tod, um die menschliche Existenz auf Erden. Will der Mensch nicht sein Überleben sichern? Sind Therapeuten dann nicht verpflichtet, mit ihrem psychologischen Rüstzeug aktiv einzugreifen? In der Rolle des Bürgers haben Psychologen und Psychotherapeuten das Recht, sich einzumischen.

Das Bestreben, zu überleben, ist eine treibende Kraft des Menschen als Naturwesen. Liegt nicht hier bereits die erste Antwort auf die oben gestellten Fragen? In kaum einem Landstrich der Erde geht es klimamäßig um Leben und Tod. Von Wetterextremen ist immer nur ein kleinerer Teil der auf der Erde lebenden Menschen betroffen, die meisten bleiben verschont. Ein Hurrikan an der Ostküste der USA tangiert Europa nicht im Mindesten. Das Gefühl der Apokalypse will sich einfach nicht einstellen. Drei heiße Sommer können nicht als existenzielle Krise erlebt werden. Das Leben der allermeisten erscheint nicht als gefährdet. Die Angst vor Vernichtung scheint nur in den Köpfen von Aktivisten virulent zu sein, die sich in Panik hineinsteigern. Eine Bedrohung ist nicht wirklich spürbar und muss folglich auch nicht bekämpft werden. Dabei spielt es keine Rolle, ob die wissenschaftlichen Erkenntnisse ernst genommen werden oder nicht. Die Vernichtung der Welt erscheint den allermeisten Menschen nicht als reale Perspektive. Kaum jemand kann erkennen, dass er direkt betroffen ist. Unter der Voraussetzung, dass derartige Empfindungen realistisch genannt werden können, erscheinen nunmehr die panikhaften Klimaaktivisten als politisch wie psychisch problematisch.

Sigmund Freud sah den psychischen Mechanismus der Verdrängung ausschließlich pathologisch. Neuere Autoren haben auf einen weiteren, zweiten Aspekt von Verdrängung aufmerksam gemacht: die gesunde Verdrängung. Diese besondere Verdrängung kann und soll eingesetzt werden zur Beherrschung von Problemen oder Traumata, die nicht gelöst oder nicht ungeschehen gemacht werden können. Der Patient kann lernen, bei aufsteigenden Gedanken, die individuell bedeutsam sind, dieses Aufsteigen zur Kenntnis zu nehmen und zugleich zu entscheiden, sich damit nicht zu beschäftigen. Der bewusste Entschluss zur Nichtbeschäftigung ist Konsequenz aus der Einsicht, dass man selbst oder seine Gruppe nicht in der Lage ist, das aufscheinende Problem zu lösen. Noch einmal: Verdrängung ist keineswegs ausschließlich pathologisch, sondern in seiner positiven Form ein Beitrag zur psychischen Gesundheit. Diesen Aspekt berücksichtigen weder die Psychologists for Future noch Autor Chmielewski.

Mit einiger Berechtigung könnte man nun umgekehrt den Klimaaktivisten und -besorgten maligne Verdrängung unterstellen. Sie ignorieren die Vergeblichkeit deutscher Anstrengungen zur Klimaneutralität im globalen Maßstab, und sie halten ihre kleinen individuellen Bemühungen um Plastikvermeidung und vegane Ernährung für ausreichend, um ihr inkonsequentes Handeln zu beschönigen. Sie blenden die Konsequenzen einer echten Klimaneutralität aus, die ein asketisches Leben und Kinderlosigkeit erfordern würden. Würde gezielt auf den vermeintlichen Klimanotstand reagiert, wäre es das Ende des bürgerlichen Lebens, wie wir es kennen.

Die Jugendlichen lernen die ökologische Haltung von ihren Eltern und ihren Lehrern. Es handelt sich insofern nicht um eine autonome Bewegung. Und inhaltlich bringt sie schon gar nichts Neues, nur eine Steigerung in der Schrillheit der Warnung vor dem Ende, das angeblich unmittelbar bevorsteht. „Fridays for Future“ ist stark beeinflusst von den Erwachsenen, die in Deutschland mit den Grünen und den seit Jahrzehnten andauernden Debatten und Warnungen aufgewachsen sind. Das haben sie an ihre Kinder weitergegeben. Sie haben die von den Grünen verbreiteten Ängste und Sorgen unkritisch internalisiert. Neu ist, dass sie sich über die sogenannten Sozialmedien und Apps austauschen und organisieren. Das haben ihre Eltern noch nicht getan.

Die demonstrierenden Schüler sind gut vernetzt und international mobil. Auslandsaufenthalte gehören zum Standard. Sie reisen dorthin nicht auf Mauleseln, sondern im Flugzeug. Sie wollen Land und Leute kennenlernen, oder sie besuchen die weitläufige Verwandtschaft. Sie machen ein freiwilliges soziales Jahr in Südamerika. Man erreicht Südamerika nicht im Ruderboot. Auf Nachfrage betonen sie, dass sie das Fliegen und das Autofahren nicht verbieten wollen. Sie wollen, „dass die Politik die Bedingungen verändert“. Auf Konsum verzichten wollen sie nicht. Eine Metallgabel statt einer Plastikgabel zu verwenden, ist kein Verzicht. Verzichten müssen vermutlich jene, die sich verteuerte Flüge und verteuertes Fleisch nicht leisten können. Ist es ehrlich, von anderen Verhaltensänderungen zu verlangen, die man selbst nicht anwendet?

Positive Verdrängung

Die positive Verdrängung halte ich für eine angemessene Reaktion auf den unbestreitbaren Klimawandel. Wir sollten aufhören, schrieb der amerikanische Autor Jonathan Franzen am 8. September 2019 im New Yorker (ganz in meinem Sinne), uns vorzumachen, dass das Zwei-Grad-Ziel erreichbar wäre oder wir ihm nur nahekommen könnten. Die Verleugnung besteht seines Erachtens in dem Glauben, dass die Menschheit immer noch das Steuer herumreißen könne. Wir leben in der Gegenwart, nicht in der Zukunft, betonte er. Wenn es darum geht, zwischen der abstrakten Bedrohung durch veränderte Klimaphänomene und einem guten Frühstück zu wählen, würde zumindest er das Frühstück wählen. Diese Art von Verdrängung ist psychologisch gut nachvollziehbar. Fliegen ist zu billig, klagt die Politik in der Klimadebatte. Trotzdem tut sie alles, damit nur ja keine Fluglinie pleitegeht. Das passt nur schwer zusammen. Verdrängung ist hier eine passende emotionale Reaktion.

In seinen weiteren Ausführungen im Psychotherapeuten-Journal streift Chmielewski meine Befürchtung, das Engagement von Psychotherapeuten könnte in der therapeutischen Situation zur Bevormundung von Patienten führen. Bei Patienten mit Angst und Panik wird unter anderem versucht, deren Handlungsspielraum zu vergrößern, um das Gefühl von Kontrolle zurückzugewinnen. Der Autor spricht in diesem Zusammenhang nicht von gemeinsam zu erarbeitenden Handlungsoptionen, sondern von der Formulierung „konkreter Handlungsanweisungen“ für Patienten (Hervorhebung von mir). Bei Patienten, die den Klimawandel ignorieren oder für nicht gegeben erachten, soll an deren übergeordnete Werte appelliert werden, zum Beispiel „die Fürsorge für zukünftige Generationen“. Zum Schluss allerdings betont auch Chmielewski, dass im Sinne des Abstinenzgebots eine „Missionierung von Patienten natürlich zu unterlassen“ sei. Kurz zusammengefasst verläuft seine Argumentationslinie folgendermaßen: Die Menschheit befindet sich auf der sinkenden Titanic, es droht nichts weniger als „die Auslöschung der Welt“, und Panik ist die passende emotionale Reaktion.

Ich hingegen behaupte, dass sich die Hälfte bis Dreiviertel der erwachsenen Bevölkerung weder für den konkreten Klimawandel noch für dessen Auswirkungen interessieren. Die jüngste, Mitte September veröffentlichte Allensbach-Umfrage hat beispielsweise in Deutschland ergeben, dass der Anteil der Bevölkerung, der über die Klimaerwärmung beunruhigt ist, seit 2017 von 37 auf 61 Prozent gestiegen ist. Sofern überhaupt Sensibilität für das Thema existiert, ist ein größerer Teil besorgt, weiß aber nicht, was zu tun sei, und ein kleinerer Teil – derzeit politisch vertreten nur von der Alternative für Deutschland (AfD) – hält die Aufregung für übertrieben. Die EU-Länder haben ihre Treibhausgasemissionen gegenüber 1990 um 22 Prozent reduziert, trotz anhaltendem Wirtschafts- und Bevölkerungswachstum. Die Zahl der reinen Klimakatastrophenleugner dürfte sehr klein sein. Etwas größer dürfte jede Gruppe sein, die wie Jonathan Franzen den Klimawandel keineswegs leugnet, aber keine realistische Chance zu seiner Beherrschung sieht und auf kleine Schritte in technischer Innovation und persönlicher Verhaltensänderung setzt.

Ich zähle mich zur letztgenannten Gruppe. Es droht keine Auslöschung der Welt oder der Menschheit, ich spüre keine Angst und schon gar keine Panik, und ich sehe weder die Bereitschaft noch die Chance, das Zwei-Grad-Ziel zu erreichen. Deutschland hat Milliarden von Euro ausgegeben, um in den vergangenen 30 Jahren den CO2-Ausstoß um etwa ein Drittel zu senken, mit nicht messbarer Auswirkung für das globale Klima. Eine „Klimaneutralität“ (ein Begriff, dessen konkrete Bedeutung in der politischen Debatte nirgends präzisiert wird) bis 2050 ließe sich meines Erachtens vielleicht zur Hälfte mit technischen Maßnahmen erzielen. Die andere Hälfte müsste mit einer Abkehr vom Massenkonsum und einer Begrenzung des Lebensstandards auf das Lebensnotwendige erzwungen werden. Der letzte Punkt ist unrealistisch, es gibt keinen Konsens darüber.

Fridays for Future fordert "sofortige und umfassende Maßnahmen". Wenn man nur wüsste, welche! Über Geothermie und Blockheizkraftwerke hören wir seit Längerem nichts mehr. Abfallenergie und Kohlekraftwerke haben kein gutes Image, besonders wenn bei Stilllegung Hunderttausenden die Fernwärme wegfällt. Bei den Bränden im Amazonasgebiet werden nur die Fleischesser zu Sündern gestempelt, aber nicht die zerstörerischen Monokulturen für angeblich klimarettende Biotreibstoffe. Wasserkraft ist praktisch ausgeschöpft. Atomstrom ist politisch tot, obwohl seine Erzeugung fast CO2-frei erfolgt. Windrädern und Pumpspeicherwerken weht ein kritischer Wind entgegen. Es bleibt somit nur noch die Hoffnung auf die Sonne. Aber in unseren Breitengraden kann Solarstrom nie die Grundversorgung sichern. Die physikalischen und ökonomischen Begrenzungen sind mehr als fünfzig Jahre nach der Erfindung von Solarzellen, auch für Batterien, schon weitgehend ausgereizt.

Drängend zu fordern, „etwas“ müsse geschehen, reicht nicht aus. Aber die Psychologists for Future wissen ebenso wenig wie die Fridays for Future-Bewegung, was sie tun sollen. Ihr baldiges Ende ist vorhersehbar. Sie werden wegen Irrelevanz untergehen wie die Occupy- und Attac-Bewegungen.

Doch selbst wenn das Zwei-Grad-Ziel verfehlt wird, gibt es weiterhin starke praktische und ethische Gründe für eine Reduzierung der Kohlenstoffemissionen. Die Menschheit hat ein Interesse daran, saubere Luft zu atmen und den Verbrauch endlicher Ressourcen zu minimieren. Zugleich bin ich Psychologe genug, um zu wissen, dass der Mehrheit der Menschen das Frühstück wichtiger ist als die Zukunft des Planeten.

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Gerald Mackenthun ist niedergelassener Psychotherapeut in Berlin, habilitiert für das Fach Klinische Psychologie und Autor mehrerer Fachbücher aus dem Bereich der dynamischen Psychologie.

Priv.-Doz. Dr. Gerald Mackenthun

Dipl.-Politologe

Dipl.-Psychologe

Dr.phil.

Privat-Dozent für Klinische Psychologie

 

Email gerald.mackenthun@gmail.com

 

Büro 030/8103 5899

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© Gerald Mackenthun, Berlin, Februar 2011

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